Wald & Schutzfunktion

Frühsommerliche Buchenblätter im Bannwald Lüerdissen - Foto: Frank Möller
Frühsommerliche Buchenblätter im Bannwald Lüerdissen – Foto: Frank Möller

 

Wälder sind multifunktional

Wälder sind natürliche Klimaanlagen und Luftfilter. Neben ihrer Rolle als Kohlenstoffspeicher und CO2-Senke haben sie wichtige Funktionen für das Lokalklima. Daran sind mehrere Mechanismen beteiligt:

  • Windbremse:. Schon am Waldrand lässt die Luftbewegung aufgrund der Gehölze nach. Das schützt den Waldboden vor Winderosion. Auch vor und hinter dem Wald entstehen Zonen mit verringerter Windintensität. Dieser Effekt ist an der windabgewandten Seite noch in einer Entfernung von 10 bis l5 Baumlängen messbar (bis zu ca. 500 m).
  • Strahlungsbilanz: Das geschlossene Baumkronendach wirkt wie ein schützendes Zeltdach. Das Waldesinnere wird vor Wind, Sonneneinstrahlung, nächtlichen Wärmestrahlungsverlusten und vor Austrocknung geschützt. Vor allem im Sommer verdunsten die Bäume viel Wasser. Das ist dem aktiven Stoffwechsel und Kühlsystem zu verdanken (das dazu benötigte Wasser ziehen die Bäume über die Wurzeln aus dem Boden) und dem „passiv“ verdunstenden Niederschlagswasser (über die großen Oberfläche der Bäume, sammelt sich Nebel und Regen aus der Luft und verdunste). In beiden Fällen sorgt dies für eine kühlende Wirkung und extreme Temperaturschwankungen werden abgeschwächt. Daher ist es im Wald im Sommer kühler, im Winter dagegen etwas wärmer als beispielsweise auf dem freien Feld. Die Wälder geben diese Wärme bzw. Kühle auch an die Umgebung ab und wirken auf diese Weise temperaturausgleichend.
  • Luftfilter: Mit ihrer großen Oberfläche filtern die Bäume Staub und andere Luftverunreinigungen aus der Atmosphäre. Über Niederschläge werden diese an den Boden abgeleitet. Stickstoffhaltige Luftschadstoffe wirken dort eutrophierend bzw. versauernd, was den Wald schädigt. Luftreinhaltemaßnahmen haben die Wälder messbar von Luftverunreinigungen entlastet. Dennoch überschreiten v. a. die Stickstoffeinträge vielerorts die kritischen Eintragsraten (Critical Loads). Sie reichern sich in den Waldböden an, wirken zugleich versauernd und eutrophierend. Dies belastet das Grundwasser, beeinträchtigt den Gesundheitszustand der Bäume wie auch die biologische Vielfalt der Wälder. Auf den Dauerbeobachtungsflächen des intensiven forstlichen Umweltmonitorings werden die Eintragsraten von Schwefel- und Stickstoffverbindungen gemessen und deren Wirkungen beobachtet. Diese Erhebungen sind eingebunden in das internationale Monitoring zur Wirkung grenzüberschreitender Luftverunreinigungen auf Wälder unter dem Internationalen Kooperationsprogramm ICP Forests (http://icp-forests.net/), das unter der Schirmherrschaft der Genfer Luftreinhaltekonvention (UN-ECE, CLRTAP14) arbeitet.
  • Frischluftpumpe Wald: Die Temperaturunterschiede zwischen Wald und Siedlung führen zu einem ständigen Luftaustausch, da sich die Luft über Siedlungen stärker erwärmt als die Luft über dem Wald. Die Warmluft aus dem Siedlungsbereich steigt nach oben. Am Abend, wenn die Sonneneinstrahlung nachlässt, kühlen diese Luftmassen ab und sinken in das Waldinnere. Gleichzeitig filtern die Blattorgane Staub, Ruß und gasförmige Verunreinigungen aus der Luft heraus. Über der Siedlung aufgeheizte Luft dagegen steigt auf und zieht die kühlere, sauerstoffreiche Frischluft aus dem Wald nach.
  • Erholungsspender: Die Wälder erfüllen für unsere Gesellschaft nicht nur Nutz- und Schutz-, sondern auch Freizeit- und Erholungsfunktionen. Waldbesuche steigern das Wohlbefinden und die Gesundheit, wie Studien belegen. Derzeit ist in Deutschland das sog. „Waldbaden“ im Kommen. Die Methode kommt aus Japan. 1982 prägte dort das japanische Ministerium für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei den Begriff „Shinrin Yoku“, kurz „Waldbaden“. Shinrin Yoku ist mittlerweile in Japan und Südkorea ein fester Bestandteil der Gesundheitsvorsorge. Wissenschaftliche Arbeiten zeigen: Ein Bad im Wald senkt den Blutdruck, regulierte den Puls, reduziert Stresshormone und akiviert das Immunsystem. In Deutschland darf der Wald zur Erholung frei betreten werden. Über 55 Mio. Menschen bzw. 70 Prozent der Bevölkerung nutzen dieses Angebot mindestens einmal im Jahr, überwiegend im Umfeld des Wohnortes.