Artikel

Antwort auf einen Artikel von Beat Balzi in der „Wirtschaftswoche“

Betrifft:

Erleben wir gerade die Greta-Dämmerung?

Aktivisten verurteilen den jüngsten Klimagipfel als nutzlose PR-Veranstaltung. Doch erneut bieten sie nur Furor an – statt konkrete Lösungsalternativen.

www.wiwo.de/politik/deutschland/balzli-direkt-erleben-wir-gerade-die-greta-daemmerung/27788544.html


Carl Sagan testifying before Congress in 1985 on climate change

https://www.youtube.com/watch?v=Wp-WiNXH6hI

 

Sehr geehrter Herr Balzli,

schon die Unterzeile zur Überschrift enthält den wegweisend gröbsten Fehler Ihres Artikels in der Wirtschaftswoche vom 11.11.21. – Es ist NICHT die Aufgabe einer 18-jährigen „konkrete Lösungsalternativen“ gegen den Klimawandel zu „bieten“! Greta Thunberg und ihre jungen Mitstreiter fordern diese Lösungen zu Recht von denen ein, die über die Mittel und die Macht verfügen diese zu implementieren. Denn auch neue „fassbare Lösungsvorschläge“ brauchen wir kaum, da die Schublanden mit Lösungen, die Forschung und Aktivisten seit Jahrzehnten erarbeiten, überquellen. Und schon gar nicht müssen wir diese eben von Menschen einfordern, die gar nicht über die Mittel und Expertise verfügen diese ein- und umzusetzen!

Wenn sich junge Menschen Ihrer Ansicht nach in einem „rein alarmistischen“ Modus befinden, dann doch vor allem auch, weil eine erdrückende Mehrheit der (Welt-)Politik und Weltwirtschaft seit über vier Jahrzehnten abwiegeln und, damals wie heute, gerne das Wort „alarmistisch“ bedienen, um weiter in Ruhe mit alten Wirtschaftsmodellen und opportunen Ideologien ihre Profite zu sichern. Denn, wenn nicht bereits seit dem „Club of Rome“-Report von 1972, dann doch spätestens seit der Aussage des renommierten US-Amerikanischen Wissenschaftlers Carl Sagan vor dem US Congress im Jahre 1985, ist der menschengemachte Klimawandel eine Gewissheit, die als Gesamtfakt nur noch von Leuten „hinterfragt“ wird, die daraus unmittelbaren finanziellen oder medialen Profit ziehen, um letzteren ebenfalls unmittelbar in Profit umzumünzen, aus der Aufmerksamkeit der mehr oder weniger konstant großen gesellschaftlichen Sektion der *-Leugner.

Von Greta-Dämmerung kann allerdings keine Rede sein! Im Gegenteil: Glasgow hat Greta Thunberg nur bestätigt, dass die Summe der Mächtigen der Welt immer noch bereit ist ihre „Lösungsalternativen“ mit möglichst viel altbewährtem „bla-bl-bla“ auf die längstmögliche Bank (sic!) zu schieben, auf dass der Finanzcrash uns scheidet. Eine Klimakonferenz, die 40 Jahre nach Sagan und dem „Club of Rome“ nur „zögerliche Schritte“ zu einer nachhaltigen (nicht nachhaltigeren, wie Sie schreiben!) Weltgesellschaft anzubieten hat, kann man getrost als Fortschreibung des Versagens abbuchen. „Totalitär“ sind nicht Greta und ihre „Truppen“, sondern eben die Truppen des militärisch-industriellen Komplexes, die weiter hochgerüstet und ideologisch verblendet unsere Lebensgrundlagen plündern und die Leben von Milliarden Menschen bedrohen.

Auch ich möchte nocheinmal den norwegischen Klimaminister Espen Barth Eide (in Bezug auf Greta Thunberg) zitieren: „Wenn man sagt, dass Politik keine Bedeutung hat, dass man sich eigentlich gar nicht zu treffen brauche, dann sind wir auf einem etwas gefährlichen Kurs.“ Mit dieser Aussage und Ihrem Zitat in der WiWo, wird lediglich deutlich, dass man Greta’s Sarkasmus nicht verstanden hat. Denn die Aussage beschreibt die bisherige Realität dieser Treffen (inklusive COP26) und stellt mit Sicherheit keine Aussage darüber dar wie Greta sich zukünftige Treffen eigentlich vorstellt. Wie gesagt: Gretas selbst gestellte Aufgabe ist nicht Lösungsvorschläge zu unterbreiten (Wie albern diese Erwartung ist!), sondern die verantwortungslosen „Verantwortlichen“ zu mahnen und ihr nicht ausreichendes Handeln bloßzustellen.

Mit freundlichen Grüßen,

Frank Möller, NBN

 


 

Kreis Lippe – Windkraft im kranken Wald?!

28.09.2021 (ah) Im Kreis Lippe sollen zwischen Schlangen und Detmold 13 Windkrafträder auf dem Kamm des Teutoburger Waldes gebaut werden. Initiator ist Prinz Stefan zu Lippe, dem die Waldgrundstücke gehören und Teile davon an den Windpark-Betreiber, die Westfalenwind GmbH verpachten möchte. Nach seiner Meinung könne der Platz, der durch die abgestorbenen, kranken Fichten „gewonnen“ wird, als Zwischennutzung (für rund 20 Jahre) für Windkrafträder genutzt werden. Die durch die Windkraft generierten (Pacht-)Einnahmen will er für die Aufforstung des Waldes und für den Unterhalt des Detmolder Schlosses nutzen. Auch die betroffen Kommunen würden profitieren, da sie Gewerbesteuern erhalten.

Windkraft ist wichtig, aber an dieser Stelle nicht so einfach zu realisieren. Kritiker bemängel, dass sich das Landschaftsbild total verändern und damit der für die Region notwendige Tourismus Schaden nehmen wird. Dafür stehen die aufwendig ausgebauten Wander- und Radwege im Teutoburger Wald.  Am sogenannten und kräftig beworbenen „WALK“ (Kompetenzzentrum Wandern), am Hermannsdenkmal kreuzen sich der E1 und der R1, Fernwege Europas. Wanderer suchen in der Regel die Ruhe und die Schönheit der Natur.  Bewegung im Wald gehört zu den erholsamsten Aktivitäten, die die Menschen vermehrt in Anspruch nehmen, um sie zu regenerieren. Hier stellt sich natürlich die Frage: Wer möchte unter dem Wummern und dem Anblick von riesigen Windkrafträdern wandern?

Hinzukommt, dass die Adlerwarte in Berlebeck,  die größte und älteste Greifvogelwarte in Europa bei den Planungen außer Acht gelassen, wohl vergessen wurde. In der einzigartigen Greifvogel Aufzucht- und Pflegestation  leben mehr als 180 verschiedene Greifvögel. Die Falkner veranstalten regelmäßig Freiflugvorführungen. Wie die Greifvögel mit den Windkraftanlagen zurecht kommen würden, wurde bislang nicht untersucht. Die Stadt Detmold, in deren Region vier Windräder stehen würden, hat diesbezüglich Nachbesserungen gefordert. Nicht gänzlich geklärt scheint auch zu sein, wie die wildlebenden Tierarten, insbesondere die Vogel- und Fledermausarten, auf die Windkrafträder reagieren werden. Unklar ist auch wie die Aufforstung des Waldes gelingen kann, wenn nach 20 Jahren die Windkrafträder mit schwerem Gerät wieder abgebaut werden sollen. Was macht man mit Bäumen, die 20 Jahre wachsen durften, dann aber wohlmöglich wegen der Bauarbeiten im Weg stehen?

Eine Reihe von Fragen, die ungeklärt sind und nicht einfach mal so ausprobiert werden können. Interessant wird sein, was der Investor die Westfalenwind GmbH zu den offenen Fragen recherchieren und als Antworten vorlegen wird.

Berlebecker machen mobil, LZ 27.08.2021, Seite 9

 


 

Klimawandel wirkt in Deutschland – Es braucht klare politische Vorgaben

26.08.2021 (ah)

Toralf Staud  freier Journalist und Buchautor in Berlin, geboren in Salzwedel (Sachsen-Anhalt) und Nick Reimer Journalist und Buchautor in Berlin, geb. in Meißen (Freistaat Sachsen) schauen mit ihrem Buch „Deutschland 2050“, erschienen im Mai 2021, bei Kiepenheuer&Witsch in die Zukunft. Nach der Flutkatastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz im Juli 2021 schnellte das Werk auf derzeit Platz 3 der Spiegel-Bestsellerliste.

Am 21.08.2021 stellte Staud sein Buch erstmalig in einer Lesung der Öffentlichkeit vor, in der Reihe „Wörterleuchten“, in Detmold, im Kreis Lippe in NRW. Der Lippischen Landes-Zeitung erklärte Toralf Staud was der Klimawandel in Lippe bewirkt bzw. bewirken wird (Der Klimawandel wird auch in Lippe zerstörerisch, LZ 14.08.2021, Seite 29):

  • Das Klima in Lippe hat sich in den letzten 30 Jahren bereits um 1 Grad erwärmt. Bis Mitte des Jahrhunderts wird die Temperatur noch mal um 1,8 Grad steigen.
  • Tropennächte, Extremwetter nehmen zu, Gesundheitsgefahren, besonders für ältere Menschen steigen.
  • Bereits heute leiden 17.000 Menschen (5% der Bevölkerung) in lippischen Städten unter Hitzestress, 2050 werden es 100.000 (29%) sein.
  • Nachhaltiger Landregen, der in den Boden einsickert, bleibt aus und wird durch Starkregen, der Ernten verwüstet, abgelöst.
  • Harmlose Bäche können zu tödlichen Fluten werden.
  • Die Waldbrandgefahr in Lippe steigt.
  • Die Tiere, u.a. Milchkühe, in der Landwirtschaft geben bei Hitze kaum Erträge. Ställe müssen klimatisiert werden.
  • Der Winterweizen ist der Verlierer des Klimawandels.
  • Der Grundwasserspiegel sinkt auch in Lippe.

Staud erklärte des Weiteren: Klimaschutz sei nicht teuer und kostet Arbeitsplätze, sondern kann neue Stellen schaffen. Was teuer ist und werden wird, sind die Folgen des Klimawandels, das zeigen u.a. die Flutkatastrophen aus dem Juli dieses Jahres. Allein im Ahrtal verursachten die Überschwemmungen 5 Milliarden Euro Kosten. Die Wirtschaft ist weiter als die Politik. Der Chef der des Bundesverbandes der z.B. kostete die Flutkatastrophe Industrie Siegfried Russwurm sagt: „Die Pläne für klimaschonende Technologien liegen längst in der Schublade. Es fehlen klare politische Vorgaben.“

Am 9.8.2021 gab Ministerpräsident Armin Laschet in einer Sondersitzung des Düsseldorfer Landtags bekannt, dass sich allein in Nordrhein-Westfalen die Schäden durch das Unwetter Mitte Juli nach ersten Schätzungen auf mehr als 13 Milliarden Euro belaufen. Die Schäden in Rheinland-Pfalz seien mindestens ebenso hoch. Am 25.8.2021 hat der Bundestag über Finanzhilfen für die von der Flut betroffenen Regionen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz beraten. Bund und Länder wollen bis zu 30 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Die traurige Bilanz, die durch kein Geld der Welt abgegolten werden kann, liegt allerdings auch auf dem Tisch: 135 Tote in Rheinland-Pfalz, 49 Tote in NRW (Stand 25.08.2021). Diese menschlichen Verluste kann niemand ungeschehen machen oder entschädigen. Ein ungebremster Klimawandel wird mehr und weitere Todesopfer fordern. Das muss jedem klar sein.

Klimawandel und Klimaschutz schüren in der Bevölkerung Verlustängste. Jeder möchte sein Leben so weiterleben wie bisher, ohne Dinge verändern zu müssen. Das wird nicht gelingen, ein ungebremster Klimawandel stellt unser sicheres Leben in Deutschland auf den Kopf. Deshalb ist es unerlässlich, dass wir sofort mit dem Klimaschutz anfangen und zwar effektiv und nicht halbherzig.

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Neue Wohnungen braucht das Land? 

Dieses Aussage muss sehr wohl kritisch gesehen werden. Leerstand von vielen Wohnungen und Häusern sowie die abnehmende Zuwanderung und Geburtenrate in Deutschland zeichnen ein anderes Bild.

FAZ 15.01.21

 


 

Volksinitiative Artenvielfalt NRW

Mehr als 115.000 Unterschriften übergeben

Siegfried Schönfeld

1.07.2021 Fast ein Jahr lang sammelten die NRW-Landesverbände des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt NRW (LNU) und des Naturschutzbundes (NABU) Unterschriften für die von ihnen ins Leben gerufene  ‚Volksinitiative Artenvielfalt NRW‘. Unterstützt von rund 100  weiteren Organisationen und unermüdlichem ehrenamtlichen Engagement brachten den Erfolg:  115.035 Unterschriften, weit mehr als das gesetzliche Quorum von rund 66.000 Unterschriften. Das Motto der Volksinitiative „Insekten retten – Artenschwund stoppen“ fand große Zustimmung in der Bevölkerung. Nun sind die Politiker gefordert.

Am Donnerstag, den 1.07.2021 überreichten die Initiatoren die Unterschriften an Landtagspräsident André Kuper. Der Landtag muss jetzt innerhalb von drei Monaten die Rechtmäßigkeit der Volksinitiative feststellen. Innerhalb drei weiterer Monate sind die Forderungen der Initiative abschließend zu behandeln.

 „Jetzt ist Druck im Kessel, die Politiker können sich nicht mehr wegducken, nicht im Wahljahr“ erklärt Christian Thieme vom  Netzwerk Baum- und Naturschutz (NBN, www.n-bn.eu). Er begleitete die Übergabe der Unterschriftenlisten an den Landtag. Thieme ist  Mitbegründer des Netzwerk Baum- und Naturschutz und aktives Mitglied im NABU in Marl. Die Marler NABU-Ortsgruppe sammelte Unterschriften für die Aktion. NBN informierte über die Volksinitiative und rief zum Mitmachen auf.

Mindestens 0,5 Prozent der Stimmberechtigten (ab 18 Jahren) in NRW mussten unterschreiben (d.h. 66.000 Personen), damit die Forderungen der Volksinitiative zum Thema im Landtag wird. Gültig sind nur manuelle Unterschriften auf dem offiziellen Unterschriftenbogen. Das Stimmrecht aller Unterzeichnenden müssen sich die Initiatoren der Volksinitiative von der jeweiligen Gemeinde der Hauptwohnung bestätigen lassen. Kein einfacher Weg, aber die Hürden wurden genommen.

Artenvielfalt  ist eine Zukunftsfrage

Dr. Heide Naderer, NABU-Landesvorsitzende erklärt: „Der Erhalt der Artenvielfalt ist wie der Klimaschutz eine Zukunftsfrage ersten Ranges. Das Artensterben treibt die Menschen um, sie spüren, dass sich hier vieles sichtbar und teils auch schon unwiederbringlich verlorengegangen ist. Die Unterstützung unserer Initiative kommt aus allen Regionen des Landes gleichermaßen … Aus jeder der 396 NRW-Kommunen haben wir Unterschriften erhalten. Wir sehen uns bestärkt und danken allen, die trotz schwierigster Rahmenbedingungen während der Corona-Pandemie mit Lockdowns, Kontaktbeschränkungen und Veranstaltungsverboten unter strikter Beachtung der Schutzvorschriften tatkräftig bei der Unterschriftensammlung mitgeholfen haben.“

Artenvielfalt auf die Tagesordnung

Holger Sticht, BUND-Landesvorsitzender sagt: „Wir haben unser erstes Ziel erreicht: Wir setzen die Artenvielfalt auf die Tagesordnung des Parlaments. Ob Flächenfraß, Pestizide in Schutzgebieten, naturverträgliche Landwirtschaft oder Schottergärten: Die Landesregierung hat den Schutz der biologischen Vielfalt bis heute nicht ernsthaft auf der Agenda und führt ihr mit ihrer Politik vielfach massiven Schaden zu. Wir legen mit unserer Volksinitiative dem Landtag jetzt konkrete Vorschläge vor und zeigen auf, was die eigentlichen Aufgaben sind.“

Erste Naturschutz-Volksinitiative NRW macht Druck

Mark vom Hofe, LNU-Vorsitzender erläutert: „Dies ist die erste Naturschutz-Volksinitiative in der Geschichte des Landes. Wir sehen uns in einer Reihe mit den Insektenschutz- und Artenvielfaltsinitiativen in Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachen und Brandenburg. … Wir lernen aus den Erfahrungen auch: Ohne diesen Druck und den Weg der direkten Demokratie geschieht leider fast nichts. Die Landesregierung kommt nicht von allein auf die Idee, diese durchaus komplexen Themenfelder von sich aus angemessen zu bearbeiten und einen Kurswechsel einzulegen.“

Der enorme Zuspruch aus der Bevölkerung verschafft den Naturschutzverbänden Rückenwind. Endlich können sie den stetig fortschreitenden Verlust an Pflanzen- und Tierarten machtvoll auf die Agenda des Landtags setzen. Zudem legen sie konkrete Vorschläge vor, ein ‚Handlungsprogramm Artenvielfalt NRW‘. Damit eröffnet sich die große Chance, den Natur- und Artenschutz in NRW in allen relevanten Handlungsfeldern der Landespolitik umzusetzen. Das Land NRW ist gefordert Entscheidungen zu treffen:  Weiterer Niedergang der Artenvielfalt oder konsequentes Umsteuern. Die Bürgerinnen und Bürger haben gesagt was sie wollen!

Überschriftenübergabe an den Landtag NRW. Viele ehrenamtlich engagierte Bürger brachten die Volksinitiative zum Erfolg.

 

NBN und die NABU-Ortsgruppe Marl vertreten durch Christian Thieme

 


 

Altlasten vergiften Grundwasser

15.01.2021 Die Region Bitterfeld-Wolfen ist durch die Chemie-Industrie stark belastet. Chemische Abfälle wurden in Ton und Braunkohlegruben entsorgt. Sie versickerten bis sie eine Tonlage stoppte, etwa in 50-70 Meter Tiefe. Das Pflanzenschutzmittel Lindan sickert aus der Deponie Antonie langsam nach. Die Chemikalien vergiften das Grundwasser auf einer Fläche von 25 km2. Ähnlich sieht es in Frankfurt am Industriepark Höchst, am Chemiepark Marl von Evonik betrieben, in Leverkusen bei Bayer, in Goslar bei H.C. Starck oder in Grenzach bie BASF aus. 270.000 Altlastflächen soll es nach Sven Hagemann (Endlagerforschungszentrum , Braunschweig) in Deutschland geben. Altlasten werden gemanagt, nicht entsorgt. Vergiftetes Grundwasser wird abgepumpt. belastete Bodenschichten abgetragen, Deponien von oben abgedichtet, unterirdische Dichtwände gebaut, um Wohngebiete oder Gewässer zu schützen. Entfernen und entsorgen sei zu teuer. Allein in Bitterfeld würde das 500 Milliarden Euro kosten. So bezahlt man lieber jedes Jahr 50 Millionen Euro für das managen der Giftstoffe. Die Entsorgung der Deponie Antonie würde etwa 12 Millionen LKW-Ladungen füllen. Unvorstellbare Mengen Gift sind in Deutschland vorhanden und neue kommen hinzu: Mikro- und Nanoplastik, Medikamente, beschichtete Lebensmittelverpackungen (Pizzakarton, Einmalbecher),per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) aus Löschmitteln, synthetische Sport- und Regenkleidung. Auch diese Stoffe verschmutzen Böden, Gewässer und das Grundwasser.

In der Schweiz werden die Umweltsünden der Vergangenheit beseitigt, da die Dichtungswände irgendwann undicht werden, Folgekosten und möglichen Gefahren soll so begegnet werden. Ansonsten hilft nur die „Nulldiät“, keine Produktion dieser Stoffe mehr, erklärt der Altlastenexperte Martin Forter (Schweiz). (SZ „Pumpen ohne Ende“, 11.01.2021)

 


 

Klagerecht für Umweltverbände einschränken

29.12.2020 Die große Koalition will Umweltverbänden das Klagen erschweren. „Wir müssen das Verbandsklagerecht auf Umweltverbände beschränken, die unmittelbar betroffen sind“, erklärte der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Carsten Linnemann (CDU), dem „Handelsblatt“. Artikel: Die Welt, Deutschlandfunk  

Leserbrief Lippische Landes-Zeitung 9./10.01.2021, Seite 2

 


 

„Danni bleibt“ – Rodung abgeschlossen

Verschiedene Initiativen wollten den Dannenröder Wald erhalten und die Trasse A-49 (Autobahn Kassel – Gießen) umplanen. Rund 250.000 Menschen schrieben Bundesverkehrsminister Scheuer und den hessischen Verkehrsminister Al-Wazir an, für den Erhalt des Dannenröder Waldes und eine klimagerechte Verkehrspolitik. Tausende kamen zu einer der Demonstrationen vor Ort. Die Stimmen der Naturschützer wurden nicht gehört.

10.12.2020 Der BUND schreibt: – Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch – Wir werden weiter gegen den Bau der A49 kämpfen – und gegen den Bau unsinniger neuer Autobahnen und Bundesstraßen. Der aktuelle Bundesverkehrswegeplan (BVWP) sieht allein 850 Kilometer neue Autobahnen bis 2030 vor. Im nächsten Jahr  wird der Bedarfsplans zum BVWP 2030 aufgestellt. Alle Projekte kommen auf den Prüfstand. Die Gelegenheit, endlich die Weichen in Richtung Mobilitätswende zu stellen und das Schienennetzes sowie den öffentlichen Personennahverkehr zu verbessern. 8.12.2020 Rodung abgeschlossen. Die Rodungsarbeiten für den Lückenschluss der A49 hatten am 10.11. im Dannenröder Forst begonnen. Im Oktober waren bereits im Herrenwald bei Stadtallendorf sowie im Maulbacher Wald bei Homberg Bäume gefällt worden – auch unter Protesten von Umweltschützern. Die Rodungsfläche für die neue Trasse, umfasst nach Angaben der Projektgesellschaft Deges rund 85 Hektar. Ein trauriger Tag für alle, die sich zum Erhalt des Waldes eingesetzt haben.

16.11.2020 Artikel aus dem aktuellen Spiegel: Durchsetzung politisch überholter Verbindlichkeiten, Vollzug eines nicht mehr zeitgemäßen Vertrags –  Bau der A 49 durch den Dannenröder Wald. Auszüge:

„Nun hat man schon vor Langem angefangen, Auswege zu erarbeiten – etwa in Form von Biodiversitäts- und Klimaabkommen. Diese Verträge, Abkommen, Erklärungen sollen Menschen, Nicht-Menschen und Menschheit vor dem ökologischen Kollaps bewahren. Und genau diese werden nun gebrochen. Warum? Weil einige die Macht haben zu entscheiden, dass es in Ordnung ist, das Pariser Abkommen zu brechen, nicht aber einen Straßenbauvertrag. Weil es für Entscheider okay ist, die Einhaltung von Biodiversitätsabkommen zu gefährden, nicht aber einen Koalitionsbeschluss. Die entscheidende Feststellung vom Dannenröder Wald ist die: Wir werden in den nächsten Jahren immer weiter, immer mehr Verträge brechen müssen. Die Frage ist nur, welche das sein werden – und wer die Macht hat zu entscheiden. …

Die gute Nachricht: Was Menschen geschaffen haben, können sie auch revidieren, oder reformieren, revolutionieren. Und da es jetzt ernst ist, müssen wir das auch. Es geht weiter: Wenn eine Autobahn genehmigt wird, bis zur Umsetzung aber sämtliche   Entscheidungsgrundlagen für diese Genehmigung verändert sind, dann braucht es offensichtlich Mechanismen – Systeme – die möglich machen, dass veränderte Voraussetzungen veränderte Entscheidungen ermöglichen. Das gilt nicht nur für diese eine Autobahn, das gilt für alle Infrastrukturprojekte, ja für schlicht alles, was wir in dieser Gesellschaft tun.“

 


 

2020 – Kurz informiert

Bürgerentscheid gegen Gewerbegebiet 

16.02.2021 Die Stadt Weiden (Oberpfalz in Bayern) stimmte am 14.02.201 mit einem Bürgerentscheid «Walderhalt statt Weiden-West IV»  für den Walderhalt und damit gegen einen neues 72 Hektar großes Gewerbegebiet. Die Bürger stimmten schon einmal per Bürgerentscheid ab, im Jahr 2014. Damals stimmten 71,6 Prozent der Wähler für das neue Gewerbegebiet Weiden-West IV. Sieben Jahren später hat sich die Bürger-Meinung grundlegend geändert: 65% der Bürger*innen unterstützten die Forderung des „Aktionsbündnis Walderhalt“ und stimmten gegen die Abholzung der Waldfläche.

 

SZ 16.02.2021, Seite R10

 


 

Mobilitätswende?!

5.12.2020 Kerstin E. Finkelstein beschreibt in der TAZ in ihrem Essay „Albtraum Auto“ interessante Fakten. Deutschland hat 83 Mio. Einwohner, davon sind 44,8 Mio. erwerbstätig (Stand Okt. 2020). Am 1. Januar des Jahres 2020 waren in der BRD rund 47,7 Millionen Fahrzeugen zugelassenen. 6 Millionen mehr als vor zehn Jahren, insgesamt der höchste je dagewesene Wert. 

In Berlin werden derzeit fast 60 Prozent der Verkehrsflächen von Kraftfahrzeugen genutzt. Dem gegenüber stehen 3 Prozent der Verkehrsfläche für Radverkehrsanlagen.

Autofahrer bezahlen nur knapp die Hälfte aller von ihnen verursachten Kosten. Den Rest, z.B. für den Bau und Erhalt von Straßen, Bau und Unterhalt von Parkplätzen, Straßenreinigung, Straßenbeleuchtung , Straßenentwässerung, zahlen alle: Radfahrer, Fußgänger, ÖPNV-Nutzer (öffentlicher Personennahverkehr). Somit bezahlt jeder Bürger 150 Euro pro Jahr für den städtischen Autoverkehr und finanziert ihn mit. Darin enthalten sind nicht die Unfallfolgekosten von knapp 30 Milliarden Euro im Jahr, kapitalisierbare Umweltkosten und Folgekosten gesundheitlicher Schäden durch Lärm- und Feinstaubbelastung.

 


 

Die Nationale Akademie der Wissenschaften fordert eine Radikale Öko-Wende in der Landwirtschaft

SZ13.10.2020, Seite 14

 


 

Trockenheit, Klimawandel – Hungern braucht eigentlich niemand

Der Nobelpreis ging nach München, an eine Organisation, die sich gegen den Hunger in der Welt stemmt. Innovation Acclerators (Innovationsbeschleuniger) des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP). Bernhard Kowatsch hat das Kreativbüro aufgebaut und leitet es. Rund 50 Mitarbeiter sind hier tätig. Er sagt: „Es kostet unglaublich wenig ein Kind einen Tag lang zu ernähren. Eine Schulmahlzeit kostet nur 70 Cent am Tag.“ Mit einem Freund hat er eine App entwickelt: ShareTheMeal-App. Schon mehr als 85 Millionen Mahlzeiten im Wert von 42 Millionen Dollar wurden dadurch gespendet (Stand 13.10.2020).

Projekte gegen den Hunger in der Welt werden aufgrund des Klimawandels immer wichtiger werden.

Nobelpreis: Gegen den Hunger SZ 13.10.2020; Seite R4

 


 

Ein Signal für die Artenvielfalt_LZ 29.07.2020
Lippische Landeszeitung, 29.07.2020, Seite 13

 


 

Norwegen verbietet die Entwaldung, als erstes Land überhaupt

12.10.2020 Bereits am 24. Mai 2020 verschrieb sich Norwegen als erstes Land der Erde gegen eine weitere Entwaldung. Die HuffPost berichtet über diese bislang einmalige Entscheidung. Norwegen verpflichtet sich bei der öffentlichen Auftragsvergabe jedes Produkt in seiner Lieferkette zu verbieten, welches zu weiteren Entwaldung von Regenwäldern beiträgt. Die Gesetzgeber haben sich dazu verpflichtet Wege zu finden, wie Palmöl, Soja, Rindfleisch und Holzprodukte zu beziehen, die keinen oder nur einen minimallen Einfluss auf das Ökosystem haben.

 


 

Klimawandel – Bodenschutz tut not (ah)

5.07.2020 Die Fläche der Bundesrepublik umfasst 35,734 Millionen Hektar. Die landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland reduzierten sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich, im Jahr 2019 vergrößerte sich jedoch die Nutzfläche gegenüber dem Vorjahr auf rund 16,7 Millionen Hektar (https://de.statista.com, 12.12.2019). Deutschland hat gute Böden und damit gute Bedingungen für die Landwirtschaft. Dennoch ist Deutschland derzeit ein Nettoimporteur allein von Futtermitteln von einer Fläche von 2,2 Millionen Hektar.

Zur Zeit werden in  Deutschland fast 60 Hektar  täglich versiegelt (Größe von ca. 82 Fußballfeldern). In den Jahren 2014 bis 2017 betrug die Versiegelung 58 Hektar (Umweltbundesamt, 27.11.2019). Das geht zulasten der Landwirtschaft und der fruchtbaren Böden. Investoren suchen nach Flächen, die unverbraucht, ohne Altlasten und gut zu erreichen sind. Der Bodenwert interessiert bei der Auswahl nicht. Ist der Boden einmal bebaut, zubetoniert oder asphaltiert, ist er unwiederbringlich zerstört. Die Flächen auf der Erde, unserer Erdboden ist endlich. Deshalb will die Bundesregierung im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie das Ziel bis 2030 erreichen, die tägliche Versiegelung auf max. 30 ha zu reduzieren. Insbesondere das Bauen auf der »grünen Wiese« soll aufhören. Informationen auf der Website des Umweltbundesamtes.

Bebauung und damit auch die Zerstörung von Boden wird in den Kommunen entschieden. Die lokal getroffenen Entscheidungen haben nicht nur regionale, sondern globale Auswirkungen. Die Summe der versiegelten Flächen bedroht zunehmend unserer Lebensgrundlagen. Klimawandel und Dürreperioden zeigen es deutlich: Böden und Vegetation, dürfen als wichtige CO2-Speicher nicht weiter zerstört werden. “Bodenschutz ist aktiver Klimaschutz, in ihm ist zweimal mehr Kohlenstoff als in der Luft gespeichert.” (Pressemitteilung Nr. 198 des Bundeslandwirtschaftsministerium vom 5.12.2018).