Deutscher Waldbericht

Typisch Deutsch Buchenwald - Foto. Frank Möller
Typisch Deutsch Buchenwald – Foto. Frank Möller

 

Waldbericht 2019 – Dem Wald geht es schlecht

Der Kronenzustand hat sich 2019 gegenüber dem Vorjahr bei allen Baumarten weiter verschlechtert. Die Dürren in den Vegetationszeiten 2018 und 2019 führten zum vorzeitigen Abfallen der Blätter. Bei der Fichte begünstigte die Hitze die weitere Massenvermehrung von Borkenkäfern. 2019 wurde verstärkt ein Absterben von Bäumen beobachtet.

Die Wälder reagieren nicht nur sensibel auf den Klimawandel sondern leisten für den Klimaschutz einen wichtigen Beitrag. Sie gehören mit 358 Kubikmetern Holz pro Hektar zu den vorratsreichsten in Europa. Lebende Bäumen und Totholz binden derzeit rund 1,26 Milliarden Tonnen Kohlenstoff (Quelle: Kohlenstoffinventur 2017). Die Bodenzustandserhebung im Wald gibt für die Streuauflage und den Mineralboden bis 30 Zentimeter Tiefe einen Vorrat von weiteren 850 Millionen Tonnen Kohlenstoff an. Bezieht man den darunter liegenden Boden bis 90 Zentimeter Tiefe mit ein, übertrifft der Kohlenstoffvorrat im Boden den, der in den Bäumen gespeichert ist. Der Wald in Deutschland wirkt als Senke und entlastet die Atmosphäre jährlich um rund 62 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Die derzeitigen Waldschäden könnten die Verhältnisse verändern, d.h. verschlechtern. Mehr

Waldzustandserhebung 2019 Download

 

Waldbericht 2017 – Zahlen hinken hinterher

Die Bundesregierung Deutschland, sprich das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft, gibt in regelmäßigen Abständen den „Waldbericht der Bundesregierung“ heraus. Das Werk aus 2017 umfasst 289 Seiten und beruht auf Zahlen aus den Jahren 2012 und 2014, d.h. auf fünf bis sieben Jahre alten Zahlen. Der Wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik (WBW) berät und unterstützt die Bundesregierung bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder und auch bei der Erstellung des Berichtes https://www.bmel.de/DE/Ministerium/Organisation/Beiraete/_Texte/WaldpolitikOrganisation.html

Im Waldbericht sind eine Reihe von interessanten Informationen zu den Funktionen von Wäldern, ihrem Zustand, Umfang und Problemen zu finden. Einige Inhalte aus dem Bericht sind zusammengefasst dem folgenden Text zu entnehmen.

Download Waldbericht der Bundesregierung 2017: https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/Waldbericht2017.html

 

Fragen zum Wald

Wo wächst der Wald in Deutschland?

Nach dem Waldbericht der Bundesregierung 2017 stehen in Deutschland einem Waldverlust von 58.000 Hektar zwischen den Jahren 2002 und 2012 rund 108.000 Hektar neuer Wald gegenüber. In der Summe hat die Waldfläche geringfügig um 50.000 Hektar (0,4 Prozent) zugenommen (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, BMEL, 2014: Der Wald in Deutschland – Ausgewählte Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur, S.52). Der Zuwachs unserer Wälder wird durch die Baumarten, deren Altersverteilung, die Standorte und die Witterung bestimmt. Der gegenwärtige Bestand ist das Ergebnis der vielen Nachkriegsaufforstungen mit Nadelbäumen. Diese heute etwa 60-jährigen Wälder sind derzeit in ihrem produktivsten Alter. Anmerkung: Produktiv in zweierlei Hinsicht: Alte Bäume sind besonders wichtig als Klimaschützer und sollten erhalten bleiben, aber können in diesem Alter auch „geerntet“, d.h. gefällt und verbraucht werden. Eine Krux in der Zeit des Klimawandels, für den es noch keine Lösung gibt.

Etwa die Hälfte Deutschlands liegt unter 200 m über NN. Hier ist beträgt der Waldanteil ca. 20 Prozent; Besiedelung und Landwirtschaft haben den Wald verdrängt. Über die Hälfte der deutschen Waldfläche liegt in der Höhenlage von 200 bis 400 m über NN (Waldanteil bei 30 Prozent) bzw. in 400 bis 600 m (Waldanteil 40 Prozent). In einer Höhe von 1000 bis 1200 m über NN erreicht der Waldanteil über 80 Prozent. Natürlicherweise folgen darüber waldarme und schließlich die waldlosen Höhenlagen der Gebirge (Baumgrenze).

 

Wem gehört der Wald?

Die Eigentumsstrukturen haben sich historisch und regional unterschiedlich entwickelt. Die Bundeswaldinventur 2012 zeigt folgende Verteilung:

Privatwald

Die Privatwaldfläche verteilt sich auf schätzungsweise rund 2 Mio. Waldbesitzer. Die meisten privaten Waldeigentümer besitzen kleine Waldflächen; durchschnittlich rund 2,5 Hektar.

Zum Privatwald gehört auch der Treuhandwald. Dieser wurde im Zuge der Bodenreform in der ehemaligen DDR enteignet und in Volkseigentum überführt. Nach der deutschen Wiedervereinigung sollte er privatisiert werden. Inzwischen sind rund 99 Prozent der ursprünglich ca. 2 Mio. Hektar Treuhandwald privatisiert. Ein Teil des Treuhandwaldes wurde an Länder, Kommunen, Private direkt gegeben. Ein weiterer Teil wurde unentgeltlich (u. a. im Rahmen des Nationalen Naturerbes) oder entgeltlich an Naturschutzorganisationen oder Wasserverbände weitergegeben. Der Rest (590.300 Hektar) sind durch die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) privatisiert worden.

Zwischen den Jahren 2002 und 2012 hat sich ein neuer, flächenmäßig inzwischen auch auf Bundesebene relevanter Typus von Privatwaldbesitzern mit einer spezifischen Zielsetzung entwickelt: Naturschutzverbände und -stiftungen, die vorrangig Naturschutz- und Biodiversitätsziele verfolgen. Ihr Waldbesitz stammt zum Teil aus der Übertragung von Bundesflächen aus dem Nationalen Naturerbe, z. T. aber auch aus eigenen Flächenankäufen (z. T. spendenfinanziert oder mit öffentlichen Mitteln gefördert).

Seit 1990 bis Anfang 2015 haben Stiftungen und Verbände des Naturschutzes über 352 Mio. Euro in den Flächenerwerb investiert. Im Jahr 2014 besaßen Naturschutzorganisationen, -stiftungen der Länder sowie die Naturerbe GmbH der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) bundesweit über 217.000 Hektar Naturschutzflächen. Davon sind schätzungsweise bis zu zwei Drittel (rund 140.000 Hektar) Waldflächen. Die DBU ist mit rund 69.000 Hektar Naturschutzflächen (davon schätzungsweise rund 55.000 Hektar Wald) die größte dieser Einrichtungen und inzwischen der mit Abstand größte nicht-staatliche Waldbesitzer in Deutschland. Auch andere Naturschutzeinrichtungen haben über die Jahre in relevantem Umfang Naturschutzflächen erworben bzw. erhalten.

Körperschaftswald

Besonders stark vertreten ist der Körperschaftswald in Rheinland-Pfalz (46 Prozent), Baden-Württemberg (40 Prozent) und Hessen (36 Prozent). Er weist im Vergleich zum Privatwald größere Betriebsgrößenklassen auf. 82 Prozent des Körperschaftswaldes sind mittlere und große Forstbetriebe mit über 200 Hektar. Die Waldbewirtschaftung erfolgt nach den Interessen ihrer Kommunen bzw. ihrer Bürger. In Ballungsräumen stehen Erholung, Frischluftversorgung für das Stadtklima oder Lärm- und Immissionsschutz im Vordergrund. In ländlichen Regionen dient der Wald oft als Einkommensquelle für den Gemeindehaushalt sowie zur Brennholzversorgung.

Bundeswald

Hierbei handelt es sich überwiegend um Wald auf militärisch bzw. ehemals militärisch genutzten Flächen sowie auf Flächen entlang von Bundeswasserstraßen und Autobahnen. Die Pflege des Bundeswaldes hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA, Sparte Bundesforst) inne. Die BImA hat in den Jahren 2012 – 2016 Waldflächen im Umfang von rund 1.615 Hektar privatisiert. Hinzu kommt eine Verringerung der verwertbaren Waldfläche im Eigentum des Bundes durch Übergabe in das Nationale Naturerbe (NNE) um schätzungsweise 89.000 Hektar: Als Beitrag des Bundes zum Ziel der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt (NBS) „Natürliche Waldentwicklung auf 10 Prozent der Waldfläche der öffentlichen Hand bis 2020“ wurden bzw. werden im Rahmen des NNE zwischen 2005 und 2016 in drei Tranchen insgesamt 156.000 Hektar Bundesfläche (neben Bundesflächen in Verwaltung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben zudem Flächen der BVVG und der LMBV) dauerhaft für den Naturschutz gesichert. Davon wurden rund 125.000 Hektar an andere Eigentümer (insb. Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Länder sowie Naturschutzverbände und -stiftungen) übertragen. Ungefähr 31.000 Hektar verbleiben als Nationales Naturerbe beim Bund.

 

Was macht der Klimawandel mit der Forstwirtschaft?

Der Klimawandel macht die Forstwirtschaft risikoreicher. Bäume sind langlebig. Sie würden alt werden, wenn man sie ließe. Als Lieferanten des nachwachsenden Rohstoffes Holz der für viele Produkte gebraucht wird, leisten Bäume auch einen wichtigen Beitrag zur Energie und Rohstoffwende. Anmerkung: Holzernte und Baumerhalt müssen genau überlegt und ausgewogen sein (vielleicht : Siehe Carl von Carlowitz). Raubbau, wie er weltweit u.a. in Regenwäldern betrieben wird, muss aus Klimaschutzgründen unterbunden werden.

Waldbestände sind während ihrer Lebensspanne unterschiedlichsten Umwelt- und Wachstumsbedingungen ausgesetzt. Können sich die Bäume an Umweltänderungen nicht anpassen, wird das gesamte Waldökosystem gestört. Durch den Klimawandel bekommen Waldbäume, die heute noch an die Klimabedingungen ihres Standortes angepasst sind, zukünftig zunehmend Probleme mit sich häufenden Witterungsextremen oder mit einer schleichenden Änderung der Standortbedingungen. Auch Schädlinge reagieren. Insekten und Pilze können sich z. B. schneller an neue Klimabedingungen anpassen als langlebige Waldbäume. Eingeschleppte Schädlinge und Pilzkrankheiten (z. B. Asiatischer Laubholzbock) führten zum Ulmen- und Eschentriebsterben. Sie sind Gefahren, die bei der Baumartenwahl zur Verjüngung der Bestände beachtet werden müssen.

Für den Wald und die Forstwirtschaft problematisch sind sowohl die Geschwindigkeit des Klimawandels als auch dessen kaum vorhersagbarer Verlauf für die Zeit eines Baumlebens. Dies kann die Baumartenzusammensetzung und Struktur der Wälder, die Ertragsaussichten der Forstbetriebe in Zukunft sowie die Klimaschutzleistungen stark beeinflussen. Die Forstwirtschaft muss diese Veränderungen der Wuchsbedingungen berücksichtigen, ohne dass bekannt ist, wo und in welchem Umfang und Zeiträumen sich Veränderungen vollziehen werden.

Einige Faktoren des Klimawandels (z. B. Verlängerung der Vegetationsperiode) können das Waldwachstum auch begünstigen. Der Klimawandel bedeutet für die Wälder Chancen und Risiken:

Der Klimawandel gefährdet sowohl einzelne Baumarten als auch ganze Waldökosysteme. Beispiel Fichte: Diese in Deutschland häufigste Baumart ist wirtschaftlich sehr bedeutsam. Sie ist gleichzeitig wuchskräftig und ihr Holz vielseitig verwendbar. Anzutreffen ist sie heute vielerorts außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes und auch für sie ungeeigneten Standorten. Wegen geänderter klimatischer Bedingungen sind die Anbaurisiken für die Fichte inzwischen deutlich angestiegen. Im Vergleich zur Fichte zeigen sich Buche, Eiche, Kiefer, Tanne und Douglasie weniger anfällig gegen Trockenheit und Wärme. Ein wichtiger Ansatz zur Stabilisierung und Vitalisierung der Bestände ist der Waldumbau zu klimaangepassten Mischwäldern mit überwiegend heimischen Baumarten.

 

Wie verändert der Klimawandel die Fortwirtschaft und Holzernte?

In der Vergangenheit wurde die Holzernte überwiegend im Winter durchgeführt. Bei gefrorenem Boden verursachten die Forstmaschinen in den Rückegassen keine größeren Schäden. Die Zahl der Tage mit Bodenfrost bzw. längere Frostperioden sind deutlich zurückgegangen. Dies wirkt sich den Bodenschutz bei der Holzernte aus. Alternative Witterungslagen (z. B. hart ausgetrocknete Waldböden infolge längerer Trockenphasen im Sommer) sind kaum planbar und machen Probleme (z. B. Arbeitssicherheit: schlechte Sichtverhältnisse wegen Vollbelaubung, hohe Gefährdung der Holzqualität durch Pilzbefall sowie Naturschutzaspekte: Beeinträchtigung der Tierwelt während der Brut- und Setzzeiten). Diese – und möglicherweise weitere – mit der Klimaänderung einhergehenden Aspekte stellen die Forstwirtschaft vor in diesem Ausmaß bislang unbekannte Herausforderungen. Praxisrelevante Forschungsarbeiten und Empfehlungen fehlen bislang. Dennoch müssen zukunftstaugliche Aufforstungen geplant und umgesetzt werden, denn Waldentwicklung braucht Zeit.

 

Was wird gebraucht: Alter oder junger Wald?

Die im oder infolge des Zweiten Weltkriegs zerstörten oder übernutzten Waldflächen wurden in der 50er und 60er Jahren neu aufgeforstet. Diese sind jetzt zwischen 60 und 70 Jahre alt. Die Bundeswaldinventur 2012 zeigt gegenüber 2002 eine Zunahme der über 100-jährigen Bäume um 18 Prozent. Im Durchschnitt am ältesten sind Eichen mit 102, Buchen mit 100 und Tannen mit 96 Jahren. Die Douglasie ist mit im Mittel 45 Jahren die „jüngste“ Baumart. Knapp ein Viertel des Waldes (24 Prozent) ist älter als 100 Jahre, 14 Prozent älter als 120 Jahre. Die Fläche der Altbestände über 100 Jahre ist gegenüber 2002 um 393.000 Hektar gestiegen.

Anmerkung: Schaut man sich allerdings die durchschnittliche Lebenserwartung einiger heimischer Bäume in Jahren an, sind 100jährige Wälder nicht wirklich alt: Apfelbaum 50, Sandbirke 60-80, Schwarzerle 100-120, Schwarzpappel 100-150, Silberweide und Spitzahorn 150, Weiden 400, Weißtanne 600, Stieleiche 500-800 (in Einzelfällen über 1.000), Sommerlinde 900-1.000 Jahre.

Gepflanzte Wälder in Deutschland entsprechen der internationalen Kategorie „semi natural forest“, da in der Regel Mischbestände mit standortheimischen und standortgerechten Baumarten entstehen, die für eine lange Umtriebszeit Bestand haben. Hierin unterscheiden sich unsere Wälder ganz wesentlich von Plantagen, die großflächig nur aus einer Baumart bestehen und mit intensivem Einsatz von Düngung und Pflanzenschutzmitteln in relativ kurzen Umtrieben bewirtschaftet werden.

Die geänderten Waldbauziele der Verjüngung zeigen sich in der Zusammensetzung der Baumarten. So beträgt der Anteil an Mischbeständen in der Verjüngung rund 90 Prozent gegenüber rund 76 Prozent in den Altbeständen. Ökologisch ist eine hohe Naturnähe vorteilhaft, da naturnahe Baumarten-Zusammensetzungen am jeweiligen Standort als besonders angepasst und daher stabil und widerstandsfähig gelten.

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